Kennenlernen baut Vorurteile ab

Weisenbacher Schüler besuchen Wohnheim in Forbach


„Wie leben die denn überhaupt? Warum sind die daheim abgehauen?“ - die Medien sind voll von Berichten über Flüchtlinge aus aller Welt, die Europa kommen - viele mit dem Ziel Deutschland. Aber was erwartet diese Menschen? Und sind sie wirklich so anders als wir? Um direkt ins Gespräch zu kommen, um exemplarisch einige Betroffene und ihr Schicksal kennenzulernen waren bereits vor vielen Wochen zwei Bewohner des Übergangwohnheims in Forbach in der Weisenbacher Schule, um in den Klassen von ihrer Flucht und ihren Erlebnissen zu erzählen. Möglich gemacht hatten diesen Austausch die Schulsozialarbeiterin Viktoria Angerer und Wohnheimleiter Claus Drector. Vergangenen Freitag kamen dann zwei Klassen (Klasse 8 mit Klassenlehrerin Julia Haitz und Klasse 5 mit Irina Ernst) aus Weisenbach zu einem gemeinsamen Vormittag ins Wohnheim in der Forbacher Eckstraße. Dort frühstückten die Schüler gemeinsam mit gleichaltrigen Kindern und Jugendlichen und hatten sich auch zu einem großen Fußballturnier verabredet.
Lebhaft ging es zu im großen Aufenthaltsraum und das Frühstücksbuffet mit selbstgemachten Leckereien war ein großer Magnet. Der 14jährige Timo Kalmbacher hatte Kuchen mitgebracht: „der ist schon fast ganz weg!“ sagte er stolz. Neugierig war er nach Forbach gekommen, denn das Gespräch mit den Flüchtlingen in der 8. Klasse von Julia Haitz hatte ihn nachdenklich werden lassen: „das war teilweise sehr erschreckend, was die von der Flucht erzählt haben, wie die Menschen unterwegs gestorben sind.“ Kontakte hatte er aber schon vorher: sein Fußballkamerad, der 13jährige Benjamin wohnt im Flüchtlingsheim und trainiert in der gleichen Trainingsgruppe im Fußballverein, kann aber wegen seiner (noch) mangelhaften Deutschkenntnisse erst die 5. Klasse besuchen. Trotzdem waren sie schon bei einigen Turnieren gemeinsam eingesetzt. Auch Klassensprecher Sören Lammers hat sich vorgenommen, nun offensiver auf die Flüchtlinge zuzugehen: „ich fahr’ mit meinem Mofa oft am Wohnheim vorbei und werde immer gegrüßt!“ Der 15jährige ist in der Feuerwehr und im Schützenverein aktiv, da sei es nicht so einfach, die Flüchtlinge zu integrieren wie im Sport, aber warum nicht mal in der Freizeit etwas gemeinsam unternehmen? Die pädagogische Assistentin Petra Haubrich ist erstaunt: „Die Flüchtlingskinder, die in der Schule oft sehr zurückhaltend sind, tauen jetzt richtig auf.“ In der gewohnten Umgebung , in der Nähe ihrer Familien zeigen die Kinder stolz ihre Turnschuhe und Trikots und fast alle haben sich mit Schminkstiften die Deutschlandfahne auf die Wangen gemalt. Das abschließende Fußballturnier in der Forbacher Sporthalle wird richtiggehend herbeigesehnt. Einrichtungsleiter Claus Drector freut sich sehr über die gute Zusammenarbeit mit den örtlichen  Schulen. Er wünscht sich allerdings, dass sich auch einige Erwachsene vor Ort aktiv in die Arbeit mit den Flüchtlingen einbringen. „Ich mache hin und wieder in Rotenfels Vertretung, dort gibt es einen sehr großen ehrenamtlichen Helferkreis, die sich vorbildlich kümmert, z.B. gemeinsam mit den Flüchtlingen Behördengänge machen.“ Schulsozialarbeiterin Viktoria Angerer war die Freude über das gelungene Frühstückbüffet, das Bewohner und Schüler aufgebaut hatten, deutlich anzusehen: „Der direkte Kontakt ist so wichtig, um Vorurteile abzubauen. Das hat das Bild sehr verändert. Nun wissen die Kinder, dass es in Syrien auch sehr schön war und das die Menschen von dort nicht gerne weggegangen sind.“ Das bestätigt auch der 16jährige Abdul Rahman, der nach 6 Monaten in Flüchtlingsunterkünften schon sehr gut Deutsch spricht. Sein Ziel ist es gemeinsam mit seiner Mutter nach Stuttgart zu den beiden älteren Brüdern zu ziehen und dort das Gymnasium zu besuchen: „Am Montag gehen wir!“ freut er sich.

Mit freundlicher Genehmigung des Badischen Tagblatts/Katharina Vogt

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